Unser Vorstand:

1. Vorsitzender:    Detlef Tintelott  (0421/40989347, d.tintelott@yahoo.de)

2. Vorsitzender:    Dieter Arfmann (0421/43599087)

    Schatzmeisterin:   Gerlinde Tobias (gerlindetobias@gmx.de)

    

 

Kontakt zum Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (BPE) e.V.:

Geschäftsstelle: Wittener Straße 87, 44789 Bochum, Tel.: 0234/68705552

                             Email: kontakt-info@bpe-online.de

                              Im Internet unter www.bpe-online.de

Für Bremen im erweiterten Vorstand des BPE: Detlef Tintelott (0421/40989347)

 

Vorsicht Satire!

Die Einweisung:

Eines morgens war´s soweit, da kam die Polizei ins Haus geschneit, mit einem Einlieferungsbescheid. Blaue Männchen stürmten meine Bude. Meine Wohnung wurde besetzt, ich war total entsetzt. Ich bekam eisenhaltige Abführmittel angelegt und, oh wie schön, durfte im Blau-Silbernen Taxi hinten mitfahren, mit Kindersicherung, damit ich nicht versehentlich herausfalle. Auf meiner Fahrt in die Klinik sah ich noch einmal die Lichter der Stadt. Dann kam ich in die Klinik am Rande der Stadt. Zur Begrüßung gab es dann einen guten Schluck Haldol. Der Pfleger sagte: "Zum Wohl". Einige Stunden später verkrampfte ich. Die Pfleger amüsierten sich. Das ist die chemische Keule gegen lebensbedrohliche Schizophrenie. Ich werde sauer und denke, man vergiftet mich hier. Ich will weg. Doch dann trägt man mich freundlich in ein Bett und befestigt meine Arme und Beine mit Gurten, damit ich nicht herausfallen kann. Dazu bekomme ich eine Spritze in den Hintern. Die wird mir wohl gegen die Krämpfe helfen, dachte ich zumindest. Etwas später dann: Die Pillen beruhigen mich sehr, ich esse gut und nehme zu, laufe ohne anstrengende Armbewegungen und zittere gerne mit den Beinen. Der Arzt macht mich darauf aufmerksam, dass ich Stimmen höre. Ich muss ja irre sein. Wie gut, dass die Stationstür abgeschlossen ist. Ich könnte mich ja draußen verlaufen. Später dann höre ich von einem Mitpatienten den Spruch: "Ob sie dich lieben oder hassen, irgendwann müssen sie dich entlassen." Nur wann? In wie vielen Jahren? Oder mit den Füßen zuerst? Ich lege mich einfach solange ins Bett und lausche den Stimmen.

von Detlef Tintelott

 

 

 

Was ist vom Nationalsozialismus übrig geblieben

 

Warum gibt es so wenige Bertoffene in der Psychiatrieszene, die sich engagieren?

 

Hat es etwas mit dem System zu tun oder ist vom Nationalsozialismus noch einiges übrig geblieben?

 

Was hat sich geändert?

 

  • Es gibt immer noch Sondergesetze für psychisch Kranke mit dem Entzug einiger Grundrechte.

  • Statt T4 speichert die Polizei die Daten psychisch Kranker.

  • Es herrschen immer noch Zwang und Gewalt in den meisten Kliniken.

  • Man bekommt eine Diagnose, die man nicht mehr loswird.

  • PsychKG und Betreuungsrecht sind Freiheitsentzug auch ohne begangene Straftat.

  • Patienten haben in der Klinik keinen rechtlichen Anspruch auf Ausgang an die frische Luft.

  • Den Maßregelvollzug hat man nicht abgeschafft. Es war ein Mittel der Nazis. Selbst bei kleineren Straftaten kann man heute bis an sein Lebensende in Verwahrung bleiben.

  • Wenn man jemanden abschieben möchte, erfindet man eine Straftat und der Betroffene wird ohne Nachfrage mit Polizei und Beschluss in die geschlossene Psychiatrie gebracht.

  •  Wenn es für die JVA nicht reicht, bringt man Personen leicht in der psychiatrischen Klinik unter.

    Heute bekommt man Medikamente auch gegen seinen Willen. Man kann einen Betreuer auch gegen seinen Willen bekommen, der einen kontrolliert und Dinge vorschreibt. Man möchte also noch immer alle psychisch Kranken unter Kontrolle haben.

    Den BPE gibt es seit über 20 Jahren. Er möchte eine Psychiatrie ohne Zwang und Gewalt. Man nennt es auch „Soteria“. In einigen Kliniken in Deutschland gibt es Soteria und diese Kliniken sind sehr beliebt bei den Betroffenen. Nur der Staat möchte dies nicht. Die Regierung hat Zwangsmaßnahmen gegen Behinderte extra nochmals legalisiert. Der Protest des BPE und anderer Verbände und Parteien half nichts. Ich selber hatte einen Brief an Politiker aller Parteien geschickt, um dieses Gesetz zu verhindern. Kranke werden unter Betreuung gestellt, damit man sie zwangsbehandeln kann. Ist das gut so? Wir haben doch eine UN-Behindertenrechtskonvention.

    Um sich als Betroffener zu äußern und zu engagieren, um das System zu verbessern, bedarf es vieler Voraussetzungen. Der Betroffene muss etwas über seine Erkrankung lernen, er muss das psychiatrische System verstehen lernen und sollte nicht bis zum Hals mit Medikamenten abgefüllt sein. Dann kann man z.B. einen EX-IN Kurs besuchen und auf Augenhöhe mit den „Profis“ reden. Viele Betroffene haben aber Angst, sich öffentlich zu äußern, Angst vor noch mehr Pillen, Angst vor Bestrafung, weil sie durch das System eingeschüchtert sind. Nur ganz wenige Betroffene haben es geschafft, sich im System Anerkennung zu verschaffen und Kritik an den richtigen Stellen anzubringen.

    Bremen ist gerade dabei EX-INler anzustellen. Aber da ist die Angst der Mitarbeiter, dass man sie ja in ihrer Arbeit kritisieren könnte. Und die vielen Betreuer, die noch mehr Geld wollen. Warum zeigen die Betreuer ihren Klienten nicht einfach wie man was macht und regelt, statt ihnen alles vorzuschreiben? Eine Assistenz zur Förderung der Selbstständigkeit wäre schön.

    Die wenigen aktiven Betroffenen in Bremen werden im Rahmen der Psychiatriereform in Planungen und Entscheidungen eingebunden. Dabei ist es nicht möglich, dass beide Seiten auf ihrem Standpunkt beharren, sondern man muss aufeinander zugehen und Kompromisse aushandeln.

    Das System muss sich ändern, um den mündigen Patienten zu schaffen. Ohne Zwang und Gewalt in der Behandlung. Die Kliniken sollten nicht als Erziehungsanstalten missbraucht werden. Sie sollen Krankheiten lindern. Patienten werden provoziert, um sie fixieren und abspritzen zu können. Ein Verdacht auf eine Straftat reicht aus, um Patienten längere Zeit in der geschlossenen Abteilung unterzubringen und ihn zwangsweise mit Medikamenten zu behandeln. Hier ein Auszug aus einem Antrag zur Zwangsbehandlung: Gefordert werden täglich 150 mg Xeplion (Höchstdosis). „Falls der Patient dem vorgeschlagenen medikamentösen Regime nicht zustimmt, sollte ihm Haloperidol 5 – 10 mg i.m.2xtägl. appliziert werden, um ihn zu motivieren, der Medikation mit Xeplion, wobei die intramuskulöse Dosierung wie oben skizziert erfolgen sollte, zu akzeptieren.“ Laut Wikipedia hat Xeplion keinen therapeutischen Nutzen und viele Nebenwirkungen. Im April 2014  kam aus Japan die Meldung, dass 17 Patienten, die Xeplion gespritzt bekamen, verstorben sind. Ich muss mir leider die Frage stellen, ob einige Mitarbeiter in der Psychiatrie Sadisten sind. Möchten wir, dass die Betroffenen glücklich werden oder wollen wir sie mit Medikamenten und Zwangsmaßnahmen so formen, wie wir sie haben möchten? Warum begehen so viele Menschen unter Psychopharmaka eine Selbsttötung? Die Pillen und Spritzen heilen leider nicht die Erkrankung. Die Wissenschaft ist noch nicht soweit. Früher fragte man „was kostet die Gesellschaft ein Behinderter?“ Heute fragt man: „wie helfe ich einem Behinderten?“ Aber auch: „Was verdiene ich an einem Behinderten?“ Hier sind vor allem die Rechtsbetreuer gemeint. Die Akzeptanz psychischer Erkrankungen hat sich in der Öffentlichkeit durch die vielen Berichte in den Medien gebessert. Ich denke hier besonders an den Abschied von Robert Enke in Hannover.  Bis der mündige Patient in der Psychiatrie geschaffen wird, werden noch viele Jahre vergehen. Dazu muss das System grundsaniert werden.

     

    Detlef Tintelott

    11.08.2016